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Wie die ZBVV mit ihren Mieterinnen umspringt

28. April 2026
Élodie (rechts) und Nicklas (links) sind Mieter*innen der ZBVV in Rendsburg
Élodie (rechts) und Nicklas (links) sind Mieter*innen der ZBVV in Rendsburg

Seit dem Verkauf der »Rendsburger Wohnungsgesellschaft« 2005 verfallen die Bestände in Rendsburg aufgrund von mangelnden Investitionen und wechselnder Eigentümerinnen. Unter der aktuellen Verwaltung (ZBVV) häufen sich gravierende Mängel wie monatelange Heizungsausfälle, defekte Fahrstühle und Schimmelbildung. Wir haben mit zwei betroffenen Mieterinnen (Élodie und Nicklas) gesprochen.

Linksrum: Ihr hattet ein Problem mit einem Leck in der Heizung. Wie lange musstet ihr auf die Behebung des Problems warten?

Élodie und Nicklas: Vier Tage. Wir haben freitagabends die Notdienstzentrale der ZBVV angerufen – da wurde uns versprochen, dass so schnell wie möglich nach einem Monteur gesucht wird, und dass der noch am gleichen Tag kommen würde. Zwei Stunden später bekamen wir einen Anruf, wo uns mitgeteilt wurde, dass immer noch nach einem Monteur gesucht wird, und wir kontaktiert werden würden, sobald sich etwas Neues ergeben hätte. Der Anruf kam nicht, einer von uns blieb vergebens wach, bis wir um 3 Uhr nachts noch einmal die Notdienstzentrale anriefen, wo gesagt wurde, es würde erst am nächsten Tag jemand kommen. Am nächsten Abend kam ein Monteur, der den Wasserfluss stoppen, die Heizung aber nicht reparieren konnte. Bis dahin waren ca. 15 bis 20 Liter aus der Heizung geflossen. Es brauchte weitere zwei Tage, bis sie repariert wurde.


LR: Habt ihr über eine Mietkürzung nachgedacht und hattet ihr in der Vergangenheit schon Probleme mit der Hausverwaltung gehabt?


EN: Eine Zeit lang haben wir sogar mit Mietkürzung gedroht, weil bei unserem Einzug unter anderem kein DSL-Anschluss vorhanden war und eine Heizung nicht funktionierte – ohne dass uns das persönlich oder im Übergabeprotokoll mitgeteilt wurde. Die Behebung von beidem dauerte jeweils über einen Monat. Außerdem hat unsere lokale Hausverwaltung der ZBVV keine Telefonnummer und antwortet auf keine E-Mails. Mit Problemen müssen wir uns immer an die übergeordnete Instanz der ZBVV in Hamburg wenden, welche selten und dann spät auf E-Mails antwortet. Telefonisch ist sie besser zu erreichen, aber das Beheben von Problemen zieht sich generell oft in die Länge und erfordert mehrere Kontaktversuche. Das führte in letzter Zeit zu viel Stress, weil aufgrund eines Fehlers bei der Zählerzuordnung einem langjährigen Mitmieter der Stromanbieter gekündigt wurde und es knapp einen Monat gedauert hat, bis die Zähler von einem Elektriker korrekt zugeordnet wurden. Weil uns fälschlicherweise schon bei der Wohnungsübergabe sein Zähler zugewiesen wurde, haben wir seit über einem halben Jahr keinen festen Stromvertrag.


LR: Habt ihr Kontakt zu den anderen Mieterinnen in eurer Wohnanlage und haben die auch schon Ärger mit der Hausverwaltung gehabt?

EN: Wir haben gelegentlichen Kontakt zu unseren Nachbarn im selben Haus und haben wegen einem von dem Fehler in der Zählerzuweisung erfahren. Seine Versuche, die Hausverwaltung zu kontaktieren, zogen sich ebenfalls über Tage hin, und jetzt, nach der richtigen Zuweisung, ist noch nicht sicher, ob sein Stromanbieter ihn wieder zu den gleichen Tarifen zurücknimmt. Eine andere Mitmieterin, die bald auszieht, hat uns neben allgemeinen Kontaktschwierigkeiten davon berichtet, dass die ZBVV sich weigert, die Kosten und Reparatur einer Duschkabinentür zu übernehmen, obwohl diese durch gewöhnliche Abnutzung nach Gebrauch kaputtgegangen war. Ein Nachbar riet uns eindringlich, so wenig wie möglich zu heizen, weil die ZBVV gerne Nachzahlungen fordert, wenn »zu viel« geheizt wurde, und die sind nicht gering. Gleichzeitig sind die Häuser hier nicht gedämmt; es wird im Winter ziemlich kalt drinnen.

LR: Habt ihr euch schon nach alternativen Wohnmöglichkeiten umgeschaut?

EN: Nein, weil wir letztes Jahr zwei Monate und 21 Wohnungsbesichtigungen gebraucht haben, um die einzige Zusage zu bekommen, und wir momentan keine Kraft haben, wieder auf Wohnungssuche zu gehen. Als Haushalt mit einer Bürgergeld-Empfangenden und einer minijobbenden Person sind wir für die meisten Vermietenden unattraktive Mieterinnen.

Die ZBVV lässt ihren Wohnungsbestand verfallen
Die ZBVV lässt ihren Wohnungsbestand verfallen


LR: Wie schätzt ihr die aktuelle Lage auf dem Wohnungsmarkt ein?

EN: Katastrophal – zumindest für uns Leute mit geringem Einkommen. Es gibt mehr Wohnungssuchende als Wohnungen, man muss ständig seine Ansprüche zurückschrauben, weil die attraktiven Wohnungen viel zu teuer sind. Ansprüche wie: »Bloß keine Wohnungen von Vonovia, ZBVV und Co.!« Oder: »Keine renovierungsbedürftigen Wohnungen«. Manche Vermietenden sind so dreist und bieten Wohnungen in miserablen Zuständen an und versprechen, die Renovierung würde ganz schnell gehen. Das hatten wir zum Beispiel. bei zwei aufeinanderfolgenden Wohnungsbesichtigungen in Kiel-Gaarden, wo die Führung einer Mieterin zurief: »Wir haben noch zwei Häuser die Straße runter gekauft!« In den Wohnungen selbst fanden sich gammelige Tapeten, kaputter Boden, Müll an allen Ecken.


LR: Hattet ihr Unterstützung vom Jobcenter oder anderen Behörden und bei der Wohnungssuche und Problemen mit der Wohnung?


EN: Nein. Bei unserer jetzigen Wohnung hat es nur geholfen, dass eine*r von uns Bürgergeld empfängt und die Hälfte der Miete vom Jobcenter übernommen wird. Indirekte Unterstützung hatten und haben wir seelisch und bürokratisch durch unsere Qualifizierte Assistenz, die uns im Rahmen der Eingliederungshilfe zugesprochen wurde.