Anlässlich des 21. März – des Internationalen Tags gegen Rassismus – lohnt es sich, einen genaueren Blick auf einen Ort in Rendsburg zu werfen, der lange im kollektiven Gedächtnis der Stadt kaum sichtbar war: die Deutsche Koloniale Frauenschule. Zwischen 1927 und 1945 bestand sie direkt am Nord-Ostsee-Kanal und zog junge Frauen aus ganz Deutschland an, die hier für ein vermeintlich »selbstständiges Leben« in den Überseegebieten ausgebildet wurden.
Heute findet sich im Stadtarchiv Rendsburg vielfältiges Material zu dieser Schule – von Fotoalben über Rundschreiben bis zu Unterrichtsplänen –, das zeigt, wie sehr hier koloniale Ideologie mit moderner Ausbildung verschmolzen wurde.
Die Frauen lernten nicht nur Kochen, Nähen, Reiten und Tierhaltung, sondern auch Fremdsprachen, Schießen und Hygienelehre – Fähigkeiten, die ihnen später als »Farmersfrauen« in Afrika oder als Siedlerinnen in Osteuropa nützlich sein sollten. Das klingt zunächst nach Emanzipation: junge Frauen, die traditionelle Rollenmuster hinter sich lassen. Doch aus linker Perspektive zeigt sich schnell die Ambivalenz: Dieser »Abenteuerlust« lag ein rassistisch aufgeladenes Weltbild zugrunde, das die »eigene Kultur« über andere stellte und andere Menschen als Objekt kolonialer Ordnung betrachtete.
Biografien ehemaliger Schüler*innen – etwa der Pilotin Hanna Reitsch, die hier ihre Ausbildung begann – oder Listen aus dem Archiv belegen, wie tief koloniale und später nationalsozialistische Denkweisen in persönlichen Lebenswegen verwoben waren. Die Schule vermittelte zunehmend Rassenlehre und verpflichtete zur Mitgliedschaft im Bund Deutscher Mädel, bevor sie im Frühjahr 1945 geschlossen wurde.

Für eine kritische, antirassistische Erinnerungskultur ist es wichtig, Orte wie die Koloniale Frauenschule nicht zu romantisieren, sondern ihre kolonial-rassistischen Grundlagen offen zu benennen. Gerade am Tag gegen Rassismus sollten wir uns darüber austauschen, wie lokale Geschichte und globale Machtverhältnisse zusammenhängen – und wie wir aus dieser Geschichte solidarische Perspektiven für heute entwickeln.