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Warum ich Veganer wurde

3. Februar 2026
Quelle: pixabay@naschi86Schwein auf der Wiese
Tiere sind unsere Mitgeschöpfe

Schreie zerreißen die Dunkelheit. Wo einst Brüder und Schwestern lebten, stapeln sich heute Leichen – weggeworfen wie defekte Produkte. Die Lebenden sind gezeichnet: ihre Körper voller Entzündungen und Wunden, ihre Blicke voller Leid. Sie schreien nach ihren Kindern, eingesperrt in stickigen Ställen, der Ammoniakgeruch ist allgegenwärtig. Ein Ort, an dem Leben entstehen sollte, ist zum Symbol des Todes geworden.

Diese Szenen erinnern an Krieg. Gemeint ist die Massentierhaltung im Kapitalismus. In diesem Text geht es um die Verbindung von Veganismus und Sozialismus – und darum, warum ich mich seit Februar 2024 vegan ernähre.

Als Sozialistinnen müssen wir uns um Klimawandel, Gesundheit, Lebensmittelverfügbarkeit und Ethik kümmern. Die weltweite Agrarproduktion verursacht rund ein Viertel aller Treibhausgasemissionen, ein erheblicher Teil entfällt auf Fleischproduktion. Eine pflanzenbasierte Ernährung wäre im Sozialismus nicht nur ethisch sinnvoll, sondern ein wichtiges Mittel gegen die Erderwärmung. Würde sich die Welt vegan ernähren, würden rund drei Viertel des derzeit genutzten Ackerlandes frei – für Wälder, Biodiversität, Grasland und damit einen gesünderen Planeten. Veganismus ist eine der einfachsten Möglichkeiten, jetzt gegen den Klimawandel aktiv zu werden. Gleichzeitig verbessert er die globale Lebensmittelverfügbarkeit: Tiere zu mästen, um sie dann zu essen, ist energetisch ineffizient, verschwendet Wasser, Fläche und führt zu Nitratbelastung und Treibhausgasen. Eine pflanzenbasierte Ernährung dagegen kann deutlich mehr Menschen ernähren, als dies bei Fleischkonsum möglich wäre. Massentierhaltung trägt außerdem zu Krankheiten und Pandemien bei – von Rinderwahn über multiresistente Keime bis zu Zoonosen wie Vogelgrippe und Corona. Tierrechte sind damit immer auch Menschenrechte. Gleichzeitig werden Arbeiterinnen in Schlachthäusern zu Tötungsmaschinen fürs Kapital degradiert, oft migrantisch, prekarisiert, psychisch massiv belastet.

Veganismus ist kein bourgeoiser Lifestyle und kein reformistischer Ablasshandel. Er ist eine Praxis, Leid sofort zu verringern – im Hier und Jetzt –, und passt damit zu einer sozialistischen Haltung, die Ausbeutung überall bekämpfen will. Niemand würde sagen, Klimazerstörung sei egal, weil sie »erst im Sozialismus« gelöst werde; warum also beim massenhaften Tierleid anders handeln?

Sozialismus heißt, kein Leben zur Ware zu entwerten. Veganismus heißt, diese Einsicht konsequent zu Ende zu denken. Eine Linke, die glaubwürdig gegen Ausbeutung kämpft, kann nicht bei Tieren willkürlich eine Grenze ziehen. Lasst uns eine Bewegung sein, deren Solidarität nicht an der Artgrenze endet – für eine Welt, die nicht nach Blut riecht, sondern nach Gerechtigkeit.