Es ist Samstag, der 9. August 2025. Einsam und beinahe verlassen wirkt an diesem Vormittag der Schlossplatz in Rendsburg. Vereinzelt gehen ein paar Passanten mit ihrer Brötchentüte noch beinahe schlaftrunken über den Platz. In einer Ecke sonnt sich ein Auto mit einem Anhänger. Alles friedlich – alles wie immer – meint man. Doch die Ruhe trügt. Denn plötzlich kommt Bewegung in die Idylle dieses Morgens. Erst tauchen ein paar Männer auf und versammeln sich rund um dem Wagen. Sie beginnen Plakate an dem Hänger zu befestigen, stellen Mikros auf, machen Soundcheck. Doch hier werden die Herzen nicht im Rhythmus von Pop, Rock oder Country schlagen. Doch wozu das dann alles?
Langsam füllt sich der Platz. Menschen mit selbstgemachten Schildern, Fahnen, Westen versammeln sich. Auf einem der Schilder steht: »Free Denis«.
Doch wer bitte ist Denis?
Die Solidarität der versammelten Menschen hier gilt Denis Aliev, einem Aserbaidschaner, der 2013 nach Deutschland floh. Er lebte in Gettorf, arbeitete als anerkannte Fachkraft, engagierte sich ehrenamtlich, lebte seit über zehn Jahren in einer festen Partnerschaft und stand kurz vor seiner Hochzeit.
»Denis Aliev ist ein, Musterbeispiel wie Integration laufen sollte.«, so Mark Hinz, ehemaliger Sprecher der Linken im Kreis Rendsburg-Eckernförde. Doch Denis begann (ach wie menschlich) einen Fehler – nicht jetzt – vor Jahren, als er nach Deutschland floh. Nun soll er dafür »bezahlen«! Er soll abgeschoben werden. Denn schließlich sind Falschangaben in unserem Rechtsstaat ein Strafdelikt! Und ehrlich, wo kommen wir denn da hin, wenn solche Menschen damit auch noch durchkämen?
Seit Donnerstag, dem 7. August 2025 st Denis inzwischen abgeschoben. Am Montag hatte das Schleswig-Holsteinische Oberlandesgericht einen Härtefallantrag abgewiesen. Mit der Abschiebung wurde Aliev eine fünfjährige Einreisesperre auferlegt. Hinzukommen Anwalts-, flug – und Gerichtskosten, die das Paar nun zu tragen hat.

Unverständnis bei der Verlobten von Denis, Franziska Raguse, bei Arbeitskollegen, Freunden und allen Menschen des gesunden Menschenverstandes. Insbesondere bei den Protestierenden, die sich an diesem Morgen auf dem Schlossplatz zu einer Protestkundgebung versammelt haben.
Der Zug setzt sich in Bewegung, erst schweigend – fassungslos, dann unter »Free Denis« – Rufen ziehen die Demonstrierenden, aus einem breiten Bündnis von zivilgesellschaftlichen Gruppen und Parteien getragen, darunter Die Linke, Bündnis 90 / Die Grünen, SPD, SSW und weitere demokratische Zusammenschlüsse, durch die Stadt.
Ihre zentrale Forderung: eine menschliche und differenzierte Asylpolitik, welche Integrationsleistungen honoriert und individuelle Schicksale berücksichtigt. Vertreter aus Parteien und Initiativen kritisieren die geltenden Gesetze als unmenschlich und fordern explizit eine Gesetzesänderung, um integrierte Menschen wie Denis Aliev Perspektiven zu ermöglichen. Die gesellschaftliche Linke sieht im Fall Denis Aliev ein Paradebeispiel für die Schattenseiten der aktuellen Abschiebepraxis: Sie mahnt an, zwischen »falschen Papieren und einem echten Leben« zu unterscheiden und soziale, volkswirtschaftliche wie menschliche Gründe gegen eine restriktive Abschiebungspolitik ins Feld zu führen.
Im Anschluss, zurück auf dem Schlossplatz hier in Rendsburg, eine Kundgebung
»Denis sagte mir, er habe Angst. Ich erwiderte ihm: ›Hab Vertrauen in unseren Rechtsstaat!‹ Nun stelle ich mir die Frage, ob ich ihm das Richtige geraten habe«, berichtet, nach Fassung ringend, eine langjährige Arbeitskollegin von Denis.
Ich sehe Betroffenheit. Neben mir steht ein großer stämmiger Mann. Verstohlen wischt er sich eine Träne aus den Augenwinkeln. So geht es vielen an diesem heißen Vormittag. Doch da ist auch noch etwas anderes, was in all den Gesichtern steht:Neben Mitgefühl und Trauer sehe ich Trotz, Kampfgeist und Solidarität!
Fazit: Der Fall Denis Aliev demonstriert die Kluft zwischen individueller Integration und gesetzlicher Praxis. Die Linke fordert in ihrem aktuellen migrationspolitischen Profil eine grundlegende Reform: humanitäre Bleiberechte, offene Teilhabe und konsequente Bekämpfung einer unmenschlichen Abschiebungspraxis – getragen vom Prinzip der Solidarität und Gleichheit für alle, die in Deutschland leben möchten. Zudem fordert sie eine konsequente, solidarische Migrationspolitik, die das Menschenrecht auf Asyl in den Mittelpunkt rückt und nationale wie wirtschaftliche Verwertungsprinzipien kritisch hinterfragt. Ziel ist eine Gesellschaft, in der Zugewanderte gleiche soziale, wirtschaftliche und politische Teilhabe erhalten. Die Partei betont die Bekämpfung globaler Fluchtursachen durch eine faire Welthandelspolitik, Verbot von Waffenexporten und eine aktive Friedenspolitik. (ST)