Manchmal zeigt Politik ihr wahres Gesicht in den unscheinbarsten Momenten. Ein Gerücht in einer Messenger-Gruppe – mehr brauchte es nicht, um in Rendsburg eine rechtsextreme Veranstaltung zu stoppen. »Sven Chilla von der AfD hat die Mehrzweckhalle gemietet …« – zuerst Unglauben, dann Erinnerungen: Unsere eigene Anfrage für eine Mitgliederversammlung war einst abgelehnt worden. Für uns kein Raum? Für sie anscheinend schon? Da stellte sich die Frage: Muss man eigentlich rechts sein, um Zugang zu öffentlichen Räumen zu bekommen?
Als niemand im Rathaus etwas sagen wollte, wusste ich: Es braucht Druck. Und zwar öffentlichen. Eine Presse-info, einige Telefonate – und plötzlich bewegte sich etwas. Die SHZ recherchierte, deckte Widersprüche auf und zwang die Verantwortlichen zum Handeln. Presse wirkt. Und sie ist bitter nötig.
Doch während die Verwaltung am Donnerstag angeblich »nichts wusste«, hatten Jugendarbeit und Sportverein schon am Montag erfahren, dass sie aus der Halle fliegen. Wer so handelt, hofft offenbar, dass niemand hinsieht. Diesmal irrte man sich.
Der Senat beschäftigte sich schließlich mit der Sache – und untersagte die Veranstaltung. Draußen standen wir bereit: Die Grünen, Die Linke,
Die Partei, Omas gegen Rechts, Jugendliche vom Schulhof. Mit Fahnen, Musik, Entschlossenheit. Die Polizei in voller Montur, wir mit warmen Worten und kalten Händen. Und dann die Nachricht aus Schleswig: Der Eilantrag der AfD wurde abgewiesen. Erleichterung, Freude und Stolz.
Was bleibt? Gerüchte sind wertvoll – wenn man sie ernst nimmt. Mut ist wertvoll – wenn man ihn teilt. Und Demokratie ist stark – wenn wir sie verteidigen. Mit einem Handy, einem Notebook und der richtigen Portion Hartnäckigkeit kann man mehr bewegen, als man glaubt.
Diese drei Tage zeigen: Linke Politik wirkt. Sie schützt Menschen. Sie verhindert rechte Räume. Und sie funktioniert – selbst ohne Fraktionszimmer, Haushaltstitel oder Rathausbüro. Nicht auszudenken, was möglich wäre, wenn wir all das hätten.
