Unter diesem Motto rief Die Linke Rendsburg-Eckernförde zusammen mit Gewerkschaften, antirassistischen Initiativen und zivilgesellschaftlichen Bündnissen zu einem Protest auf. Er richtete sich gegen die Aussage dieses Bundeskanzlers vom Dienstag, den 14.10.2025, der mit Blick auf Migration und Abschiebepolitik von einem »Problem im Stadtbild« gesprochen hatte. In der linken und zivilgesellschaftlichen Öffentlichkeit wird dies als eine Verschiebung des Blicks weg von sozialen Ursachen hin zur vermeintlichen »Optik« von Städten gewertet. Kritiker*innen und Kritiker sehen darin eine problematische Symbolpolitik, die bestehende Ressentiments bedient, anstatt Armut, Wohnungsnot, unterfinanzierte Infrastruktur und fehlende soziale Angebote in den Mittelpunkt zu stellen.
So trafen sich am 1.11.2025 um 10 Uhr mehrere Hundert Menschen in Rendsburg auf dem Schlossplatz. Mit Schildern, Transparenten und Sprechchören wandten sie sich gegen diese herabwürdigenden und folgenschweren Äußerungen von Friedrich Merz und setzten ein sichtbares Zeichen für Vielfalt, Solidarität und ein respektvolles Zusammenleben. Redebeiträge kritisierten, dass mit der Rede vom »Problem im Stadtbild« Menschen mit Migrationsgeschichte, Arme und marginalisierte Gruppen faktisch zu Störfaktoren erklärt würden, statt sie als Teil der Stadtgesellschaft anzuerkennen. Die Demonstrierenden stellten dem ein anderes Bild von Stadt entgegen: bunt, laut, solidarisch – mit Platz für unterschiedliche Lebensrealitäten und Geschichten.
Unser Statement:
»Unser Stadtbild ist bunt! Menschen mit verschiedener Herkunft, unterschiedlichen Geschlechtsidentitäten, kulturellen Hintergründen, sexuellen Orientierungen und aus verschiedenen Generationen leben zusammen und machen unsere Gesellschaft aus.Wir widersprechen, wenn behauptet wird, dass einige Menschen ›das Stadtbild stören‹ würden. Wir widersprechen, wenn Frauen und Mädchen dafür herhalten sollen, Ressentiments zu rechtfertigen. Wir widersprechen, wenn Spaltung betrieben wird, um die Probleme nicht lösen zu müssen.«
Weitere Proteste in der Region
Die Demonstration in Rendsburg-Eckernförde war nicht allein. Sie reite sich ein in eine Vielzahl von Protestkundgebungen als Reaktion auf die Äußerung des Bundeskanzlers. Auch in anderen Städten der Region kam es in den vergangenen Wochen zu Kundgebungen und Mahnwachen gegen rassistische Zuschreibungen und eine Verengung des Stadtbildbegriffs. In mehreren Kommunen formierten sich Bündnisse aus linken Gruppen, Willkommensinitiativen, Kirchenkreisen und Jugendverbänden, die mit kleineren, aber sichtbaren Aktionen ähnliche Botschaften auf die Straße trugen. Überall wurde betont, dass Städte nicht als Bühne für Ausgrenzung, sondern als Orte gelebter Demokratie verstanden werden sollten.
Fazit:
Die Proteste unter dem Motto »Buntes Stadtbild statt rechten Weltbild« machen deutlich, dass viele Menschen in der Region die Deutungs-hoheit über ihre Städte nicht einer Politik überlassen wollen, die auf Angst und Abwertung setzt. Stattdessen reklamieren sie ein Verständnis von Stadt, in dem soziale Sicherheit, gleiche Rechte, Schutz vor Diskriminierung und sichtbare Vielfalt als Grundpfeiler gelten. Ob diese Stimmung langfristig auch politische Entscheidungen prägen wird, ist offen – die Demonstrationen haben jedoch gezeigt, dass es im Norden eine lebendige solidarische Gegenstimme zur aktuellen Rechtsverschiebung gibt.
